Modelleisenbahnklub Jena 49: Modellbahntradition seit 1949 im alten Straßenbahndepot

Der Modelleisenbahnklub Jena 49 e.V. gehört zu den traditionsreichen Modellbahnvereinen Thüringens. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1949 zurück. Heute verbindet der Club klassischen Anlagenbau mit Schmalspurbahn, moderner Eisenbahn, Schweizer Gebirgsbahn und regionaler Verkehrsgeschichte. Das Vereinsdomizil befindet sich in der Dornburgerstraße 17 in Jena – in Räumen des ehemaligen Straßenbahndepots.

In mehr als sieben Jahrzehnten entstanden zahlreiche Gemeinschaftsanlagen unterschiedlicher Spurweiten. Einige davon werden bis heute weiterentwickelt und gepflegt. Zu den großen Vereinsanlagen gehören „Grauenstein“ in H0, „Heinersgrün“ in H0/H0e, „Weingarten“ in TT und die Schweizer Anlage „Goms“ in 0m. Hinzu kommen weitere Anlagen und eine große Gartenbahn.

Vom Modellbahntreffen im Elektrowarengeschäft zum Verein

Die Geschichte begann 1949, als sich Modellbahnfreunde in der Modellbahnabteilung eines Jenaer Elektrowarengeschäfts trafen. Noch im Dezember desselben Jahres fand die erste Ausstellung statt. Unter einfachen Bedingungen wurden Anlagen der damaligen Größen 00 und 0 in der unbeheizten Aula einer Jenaer Schule aufgebaut.

1962 gehörte die Jenaer Arbeitsgemeinschaft zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Modelleisenbahnverbandes der DDR. 1992 erfolgte die Eintragung als Verein; seit 1996 ist der Club gemeinnützig. Nach Angaben der Vereinschronik entstanden im Laufe der Jahrzehnte zwölf große Gemeinschaftsanlagen.

Auch öffentliche Modellbahnausstellungen gehören seit langem zur Vereinsgeschichte. Seit 1966 wurden regelmäßig Ausstellungen in Jena organisiert. Für 2025 verzeichnet die Vereinschronik bereits mehr als 60 Ausstellungen in der Stadt.

Heute im ehemaligen Jenaer Straßenbahndepot

Ein wiederkehrendes Thema der Vereinsgeschichte war die Suche nach ausreichend großen Arbeits- und Lagerräumen. Der Club nutzte unter anderem Räume am Saalbahnhof und später einen umgebauten ehemaligen Kuhstall in Löberschütz.

2011 zog der Verein zurück nach Jena. In einer ehemaligen Tischlerei des früheren Straßenbahndepots des Jenaer Nahverkehrs wurden neue Clubräume hergerichtet. Das historische Straßenbahngelände bildet heute den räumlichen Rahmen für Modellbau und Vereinsarbeit.

„Grauenstein“: großer Eisenbahnbetrieb in H0

Zu den umfangreichsten Vereinsprojekten zählt die H0-Anlage „Grauenstein“. Sie ist 15,80 Meter lang und 2,40 Meter breit und stellt Eisenbahnbetrieb der Deutschen Reichsbahn in den 1960er- und 1970er-Jahren dar.

Zentrum der Anlage ist ein 14-gleisiger Durchgangsbahnhof an einer zweigleisigen Hauptstrecke. Hinzu kommen eine abzweigende Hauptbahn, eine Nebenbahn und ein umfangreiches Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen, Drehscheibe, Bekohlung und weiteren Einrichtungen.

Der Anlagenbetrieb ist entsprechend umfangreich: Der Verein nennt mehr als 40 Züge, rund 350 Meter Gleis und etwa 150 Weichen. Neben Eisenbahnzügen sind auch Straßenbahnen, Busse und Lastwagen in Bewegung. Teile dieser Steuerung wurden inzwischen modernisiert und arbeiten unter anderem mit Arduino-Technik, Reedkontakten und Servos.

„Heinersgrün“: sächsische Schmalspur als Hauptthema

Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt die kombinierte H0/H0e-Anlage „Heinersgrün“. Ihr Thema sind die sächsischen Schmalspurbahnen der 1950er- und 1960er-Jahre. Ein konkreter Bahnhof wurde nicht nachgebaut; die dargestellten Orte sind bewusst fiktiv.

Die Schmalspurbahn spielt auf der Anlage die Hauptrolle, während sich die normalspurige Strecke durch die Anlagenmitte zieht. Beide Systeme treffen an mehreren Stellen aufeinander. Dazu gehören auch Dreischienengleis und Rollwagenbetrieb. In mehreren Bahnhöfen können Güterzüge rangiert und neu zusammengestellt werden.

Je nach Aufbau besteht „Heinersgrün“ aus bis zu neun Segmenten und erreicht eine Länge von mehr als zwölf Metern. Zusätzlich zur Eisenbahn ist ein Car-System integriert: Busse und Lastwagen beleben Straßen, Orte und Industriebereiche.

„Goms“ bringt Schweizer Meterspurbahn nach Jena

Mit „Goms“ widmet sich der Verein der Schweizer Gebirgsbahn. Die 0m-Anlage misst zehn mal 1,40 Meter und stellt einen Zwischenbahnhof der ehemaligen Furka-Oberalp-Bahn in der Landschaft zwischen Brig und Oberwald dar.

Das Projekt entstand wesentlich mit Beteiligung der Schülergruppe des Vereins. Für den Bau wurden Schweizer Vorbilder detailliert dokumentiert. Vereinsmitglieder fertigten dafür zahlreiche Fotos, Skizzen und Zeichnungen von Gebäuden und technischen Anlagen an.

Die Nenngröße 0m arbeitet im Maßstab 1:43,5 auf 22,5 Millimeter breitem Gleis. Zum dargestellten Bahnbetrieb gehören ein dreigleisiger Bahnhof, Anschlussgleise, Autoverladung, Sägewerk sowie Zahnstangengleise für die Gebirgsbahn. Die Oberleitung ist so ausgeführt, dass Elektrolokomotiven mit angelegtem Stromabnehmer fahren können.

„Weingarten“ zeigt die moderne Eisenbahn

Dass die Vereinsarbeit nicht ausschließlich historischen Epochen gewidmet ist, zeigt die TT-Anlage „Weingarten“. Auf 11,20 mal 1,25 Metern steht der Eisenbahnbetrieb der Epochen V und VI im Mittelpunkt.

Die Anlage verbindet modernen Personen- und Güterverkehr mit einer Mittelgebirgslandschaft. Zu sehen sind eine Stadt mit meterspuriger Straßenbahn, ein größerer Bahnhof, zwei Eisenbahnstrecken sowie Landschaftsmotive mit Burg, Weinberg, Flusstal und Stausee. Historische Fahrzeuge treten dennoch auf: Von einem Museums-Bahnbetriebswerk aus verkehren Sonderzüge und ältere Triebwagen.

Nachwuchsarbeit gehört zum Anlagenbau

Der Verein beschränkt sich nicht auf die Pflege bestehender Anlagen. Die Vereinschronik dokumentiert auch die Nachwuchsarbeit. 2006 wurde eine Schülergruppe gegründet, die unter Anleitung erfahrener Mitglieder eigene Aufgaben im Modellbau übernahm. Besonders deutlich wird dies bei der Anlage „Goms“, deren Gestaltung wesentlich von dieser Gruppe mitgetragen wurde.

Damit wird Wissen über Anlagenbau, Landschaftsgestaltung, Fahrzeugtechnik und Eisenbahnbetrieb innerhalb des Vereins weitergegeben. Zugleich entstehen Projekte, bei denen unterschiedliche Generationen gemeinsam an einem Thema arbeiten.

Nicht nur Modelleisenbahn

Der Tätigkeitsbereich des Clubs geht über den eigentlichen Modellanlagenbau hinaus. Zu den selbst beschriebenen Aufgaben gehören Studienfahrten zu Eisenbahnanlagen, Museen und Einrichtungen des schienengebundenen Nahverkehrs. Darüber hinaus beschäftigt sich der Verein mit historischem und modernem Eisenbahnwesen und vermittelt dieses Wissen über Ausstellungen, Publikationen und Dokumentationen.

Auch die Lage im ehemaligen Straßenbahndepot passt zu diesem breiteren Ansatz. Modellbahn, große Eisenbahn und städtischer Schienenverkehr treffen beim Modelleisenbahnklub Jena 49 damit nicht nur thematisch, sondern auch räumlich aufeinander.


Quellen und weitere Informationen