Modellbahnclub 3/22 Lichtenstein: Mehr als sechs Jahrzehnte Anlagenbau von Spur N bis Gartenbahn

Die Geschichte des Modellbahnclub 3/22 Lichtenstein e.V. reicht bis in die frühen 1960er-Jahre zurück. Aus einer kleinen Gruppe von sechs Modellbahnfreunden entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte ein Verein mit Anlagen in zahlreichen Nenngrößen. Heute befindet sich der Club in der „Alten Färberei“ am Grünthalweg in Lichtenstein und zeigt dort ein ungewöhnlich breites Spektrum vom Maßstab N bis zur Gartenbahn.

Die Anfänge reichen bis 1963 zurück

Nach der Vereinschronik fanden sich 1963 sechs Modellbahnbegeisterte zusammen und gründeten einen eigenen Club. Im April des folgenden Jahres erfolgte die Aufnahme und Registrierung als Arbeitsgemeinschaft 3/22 im damaligen Deutschen Modelleisenbahner-Verband, Sektion Dresden. Die Bezeichnung „3/22“ ist dem Verein bis heute erhalten geblieben.

Die ersten Arbeitsräume entstanden in Eigenleistung im damaligen Jugendclub des Gasthauses „Sonne“ am Altmarkt. Bereits in dieser frühen Phase bauten die Mitglieder gemeinsam an Anlagen und präsentierten ihre Modellbahn öffentlich.

Mehrere Umzüge prägten die Clubgeschichte

Der Modellbahnclub musste im Laufe seiner Geschichte mehrfach ein neues Domizil finden. 1967 wechselten die Mitglieder in das Klubhaus „7. Oktober“ an der Glauchauer Straße. Dort fehlten allerdings geeignete Ausstellungsflächen, sodass Anlagen für öffentliche Präsentationen an andere Orte transportiert werden mussten.

Ein besonders einschneidendes Ereignis folgte 1976: Eine Gasexplosion am Heiligabend beschädigte das Klubhaus schwer und zerstörte auch Modellbahnanlagen. Der Club musste erneut praktisch von vorn beginnen.

Die nächste Station war die ehemalige Kellersche Fabrik in der Schloßgasse. Dort entstand eine große Gemeinschaftsanlage in H0. Die L-förmige Anlage erreichte nach Angaben des Vereins eine Länge von rund 26 Metern und verfügte im Endausbau über etwa 400 Meter Gleis und 95 Weichen. Integriert waren außerdem eine H0m-Schmalspurbahn und eine vollautomatisch betriebene Drahtseilbahn.

Jugendgruppe und neue Anlagen ab den 1990er-Jahren

1994 bezog der Club Räume in der ehemaligen Weberei Müller in der Kreuzleithe. Dort konnte erstmals auch eine eigene Jugendgruppe aufgebaut werden. Die Nachwuchsmodellbahner arbeiteten an einer etwa fünf mal vier Meter großen U-förmigen Anlage. Zu deren Motiven gehörten unter anderem ein Wasserkraftwerk und eine Schachtanlage.

Die hohen Mietkosten machten jedoch erneut einen Standortwechsel notwendig. Der Club fand anschließend Räume im leerstehenden Bahnhof Lichtenstein. Bevor dort an Modellbahn gedacht werden konnte, standen zunächst umfangreiche Bauarbeiten an. Nach rund fünf Monaten waren etwa 200 Quadratmeter Vereinsfläche nutzbar.

Seit 2013 in der „Alten Färberei“

Auch das Domizil im Bahnhof war nicht dauerhaft. 2013 zog der Modellbahnclub in die „Alte Färberei“ um, die bis heute als Vereinsadresse angegeben wird. Die neuen Räume boten nach Vereinsangaben eine größere Ausstellungsfläche als zuvor.

Mehrere Anlagen konnten aus dem Bahnhof übernommen werden. Dazu gehörten die TT-Anlage mit dem Motiv des Lichtensteiner Bahnhofs, eine H0m-Anlage, die Spur-0-Anlage sowie große Teile der N-Anlage. Eine H0-Gemeinschaftsanlage und die Gartenbahn entstanden am neuen Standort neu.

Von Spur N bis zur Gartenbahn

Die heutige Galerie des Vereins zeigt, wie breit die Modellbahninteressen innerhalb des Clubs verteilt sind. Dokumentiert werden unter anderem Anlagen und Motive in TT, H0, H0e, H0m, N, Spur 0 und IIm sowie eine Gartenbahn.

  • TT-Anlage mit dem Bahnhof Lichtenstein
  • H0-Clubanlage
  • H0e-Winteranlage
  • H0m-Anlage mit Schweizer Motiven
  • Spur-N-Anlage
  • Spur-0-Anlage
  • IIm-Winteranlage
  • Gartenbahn und Spielanlage

Hinzu kommen weitere private beziehungsweise zeitweise präsentierte Anlagen. In der Vereinsgalerie ist beispielsweise auch eine TT-Anlage mit einem modernen Epoche-6-Thema dokumentiert. Selbst eine LEGO-Anlage findet sich im Spektrum der gezeigten Modellwelten.

Der Bahnhof Lichtenstein spielt auch im Modell eine Rolle

Die Beschäftigung mit der regionalen Eisenbahngeschichte ist ein weiterer Bestandteil der Vereinsarbeit. Eine TT-Anlage greift den Bahnhof Lichtenstein als Motiv auf. Gleichzeitig hat der Club auf seiner Website umfangreiches Material zur Geschichte des Bahnhofs und der Bahnstrecke St. Egidien–Stollberg veröffentlicht.

Damit verbindet sich beim MEC 3/22 der klassische Modellbahnbau mit einem konkreten regionalen Eisenbahnbezug. Die frühere Nutzung des Lichtensteiner Bahnhofs als Vereinsdomizil verstärkt diese Verbindung zusätzlich.

Eine Vereinsgeschichte mit viel Eigenleistung

Auffällig an der dokumentierten Clubgeschichte ist der hohe Anteil an Eigenleistung. Mehrfach mussten neue Räume ausgebaut, beschädigte Anlagen ersetzt oder komplette Modellbahnprojekte an neue räumliche Bedingungen angepasst werden. Selbst der Transport großer Anlagenteile gehörte immer wieder zur Vereinsarbeit.

Aus der ursprünglich kleinen Gruppe entwickelte sich so ein Modellbahnverein, dessen Anlagen heute zahlreiche Maßstäbe und Themen abdecken. Die „Alte Färberei“ bietet dafür den räumlichen Rahmen und ist zugleich selbst ein Stück Lichtensteiner Industriegeschichte.

Modellbahnclub 3/22 Lichtenstein

Der Verein ist heute unter der Anschrift Grünthalweg 3, 09350 Lichtenstein, erreichbar. Als Vorsitzenden nennt die aktuelle Vereinswebsite Detlef Gruner. Die regulären Arbeitsgemeinschaftszeiten sind mittwochs von 18:00 bis 20:00 Uhr sowie sonntags von 10:00 bis 12:00 Uhr angegeben.


Quellen und weitere Informationen