Der Modelleisenbahnclub „Theodor Kunz“ Pirna e.V. gehört zu den traditionsreichen Modellbahnvereinen in Sachsen. Seine Geschichte begann am 3. Mai 1965 mit sieben Mitgliedern als Arbeitsgemeinschaft 3/31 im Deutschen Modelleisenbahn-Verband der DDR. Heute beschäftigt sich der Verein mit Modellbahnanlagen in den Nenngrößen H0, TT und N und präsentiert seine Arbeit regelmäßig auf Ausstellungen.
Ein Schwerpunkt liegt auf großen transportablen Gemeinschaftsanlagen. Daneben organisiert der MEC Pirna seit 2005 die „Erlebnis Modellbahn“ in der MESSE DRESDEN. Mit eigenen Anlagen, Messeorganisation, Vereinsarbeit und Nachwuchsförderung reicht das Tätigkeitsfeld damit deutlich über den Bau einer einzelnen Clubanlage hinaus.
Vom ersten H0-Aufbau zur großen Gemeinschaftsanlage
Die erste Gemeinschaftsanlage des Clubs entstand in H0 und wurde 1968 bei einer Ausstellung im Pirnaer „Glaspavillon“ öffentlich gezeigt. Bereits 1967 begann parallel die Entwicklung jener TT-Anlage, die über viele Jahre erweitert und modernisiert wurde.
Ein weiterer großer H0-Neubau wurde 1981 begonnen, jedoch nicht fertiggestellt. 1995 startete der Verein erneut mit der Planung einer transportablen H0-Segmentanlage. Die heutige Anlage misst nach Angaben des Clubs 12,60 mal 1,30 Meter. Rund 180 Meter Gleis und etwa 40 Weichen sind verbaut.
Zwei voneinander unabhängige Hauptstrecken prägen den Aufbau. Die zweigleisige Hauptbahn ist mit Oberleitung ausgestattet. Dadurch können Elektrolokomotiven mit angelegtem Stromabnehmer eingesetzt werden. Ein zweigleisiger automatischer Schattenbahnhof sorgt für wechselnde Zugfolgen. Auf der Anlage können laut Vereinsbeschreibung bis zu 20 Züge verkehren.
TT-Anlage mit bis zu 26 Metern Länge
Noch umfangreicher ist die TT-Gemeinschaftsanlage. Ihr Ausgangspunkt war eine private Anlage des früheren Vorsitzenden Joachim Ehrig. Aus zunächst sechs Segmenten entwickelte sich über Jahrzehnte eine transportable Anlage aus 14 Segmentteilen.
In ihrer größten Aufbauvariante erreicht sie 26 Meter Länge bei 1,30 Meter Breite. Für unterschiedliche Ausstellungsräume hat der Verein nach eigenen Angaben 24 Aufbauvarianten entwickelt. Neben geraden Konfigurationen sind unter anderem T-, U-, Omega- und quadratische Aufstellungen möglich.
Zur technischen Ausstattung gehören eine zweigleisige Hauptstrecke, ein achtgleisiger automatischer Schattenbahnhof und eine vom Verein entwickelte Blocksteuerung. Bis zu 18 Züge können auf der Hauptbahn verkehren. Hauptbahnhof, Bahnbetriebswerk, Container- und Rangierbahnhof sowie zwei ins Gebirge führende Nebenbahnen schaffen zusätzliche Betriebsmöglichkeiten.
Insgesamt nennt der Club für die TT-Anlage bis zu rund 240 Meter Gleis und etwa 150 Weichen. Die Landschaftsgestaltung orientiert sich an Motiven der Sächsischen Schweiz und enthält neben Bahnanlagen zahlreiche kleinere Szenen und Details.
Seit 1992 eigener Clubraum in Dohma
Die räumlichen Bedingungen waren in den Anfangsjahren nicht einfach. Der Verein arbeitete zunächst in einem Gebäude, aus dessen zweiter Etage die großen Anlagensegmente für Ausstellungen transportiert werden mussten. Wegen des engen Treppenhauses wurde dafür sogar ein Fenster vergrößert, durch das die Segmente mit einer Seilwinde nach unten gebracht werden konnten.
1992 bezog der Club sein heutiges Domizil nahe Pirna in Dohma. Auf einem alten Bauernhof wurde ein ehemaliger Stall zum Clubraum umgebaut. Laut Vereinschronik flossen rund 3.000 Arbeitsstunden in den Umbau. Für die transportablen Anlagenteile stehen dort spezielle Gestelle zur Verfügung, die den Auf- und Abbau für Ausstellungen erleichtern.
Ausstellungen weit über Sachsen hinaus
Die Anlagen des MEC Pirna waren im Laufe der Vereinsgeschichte an zahlreichen Orten zu sehen. Die dokumentierten Reisen reichen von Ausstellungen in Sachsen und Berlin bis zu Veranstaltungen in Dortmund, Sinsheim, Bern, Wien, Kopenhagen und Utrecht.
Diese Mobilität gehört zum Konzept der großen Segmentanlagen: Sie sind nicht als dauerhaft aufgebaute Heimanlagen gedacht, sondern können zerlegt, transportiert und an unterschiedliche Ausstellungsflächen angepasst werden.
„Erlebnis Modellbahn“ als eigenes Großprojekt
Seit 2005 organisiert der MEC Pirna mit der „Erlebnis Modellbahn“ eine eigene große Ausstellung in der MESSE DRESDEN. Die Veranstaltung entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Vereinsarbeit und bringt Modellbahnvereine, private Anlagenbauer sowie gewerbliche Aussteller zusammen.
Bei der 20. Ausgabe im Februar 2026 waren nach Angaben des Veranstalters 125 Aussteller aus 13 Ländern beteiligt. Die nächste „Erlebnis Modellbahn“ ist bereits angekündigt: Die 21. Ausgabe soll vom 5. bis 7. Februar 2027 in den Hallen 2, 3 und 4 der MESSE DRESDEN stattfinden.
Jugendarbeit und gemeinsames Hobby
Auch Nachwuchsarbeit gehört zur Vereinsgeschichte. Seit 1992 ist die Modelleisenbahn-AG der damaligen Pestalozzi-Mittelschule Pirna-Copitz als Jugendgruppe mit dem MEC verbunden. Nach der Vereinsdarstellung richtet sich das Angebot an junge Modellbahner ab der fünften Klasse.
Wer den Verein kennenlernen möchte, kann auch unabhängig von einer Ausstellung Kontakt aufnehmen. Die Mitglieder treffen sich nach aktueller Angabe jeden Freitag ab 17:00 Uhr in den Clubräumen in Alt-Rottwerndorf 31 in 01796 Pirna.
Mehr als Anlagenbau
Die Geschichte des MEC Pirna zeigt, wie breit Vereinsmodellbahn angelegt sein kann. Technischer Anlagenbau, Landschaftsgestaltung, selbst entwickelte Steuerungstechnik, Transportlogistik und öffentlicher Ausstellungsbetrieb gehören ebenso dazu wie gemeinsame Fahrten und Veranstaltungen.
Gerade die beiden großen H0- und TT-Gemeinschaftsanlagen verdeutlichen den Unterschied zu vielen privaten Modellbahnprojekten: Die Anlagen müssen nicht nur betrieblich funktionieren und gestalterisch überzeugen, sondern auch regelmäßig zerlegt, transportiert und unter unterschiedlichen räumlichen Bedingungen wieder aufgebaut werden können.
